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Mauerfall und Medien

Was haben Sie am 09. November 1989, am Tag des Berliner Mauerfalls, gemacht? Auf diese Frage können die meisten Menschen eine erstaunlich präzise Antwort geben. Viele können noch detailliert erzählen, welche Kleidung sie an diesem Tag getragen haben und wo sie sich gerade befunden haben, als die Nachricht des Mauerfalls in den deutschen Medien ihren Rundlauf machte. Ereignisse wie dieses prägen sich in die Erinnerung ein, in unsere individuelle wie in die gesellschaftliche Erinnerung. Die Berichterstattung der Medien hatte damals einen erstaunlichen Einfluss und die Menschen hingen gebannt an den Fernsehgeräten, wenn sie sich nicht gerade vor Ort in Berlin befanden.

Wir von CLIP Mediaservice wollen uns in diesem Blogbeitrag dem Einfluss der Medien auf den Lauf der Geschichte widmen und weil im November das 30. Jubiläum des Mauerfalls ist, schauen wir uns diesen Tag genauer an.

Warum war der Mauerfall so eine Überraschung?

Die politischen Reformen des sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow hatten einen großen Einfluss auf die SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) und auch die große Anzahl der DDR-Flüchtlinge war nicht mehr zu verleugnen. Bereits im Oktober 1989 war abzusehen, dass es eine Änderung im Reisegesetz geben wird. Die Zeichen standen schon in Richtung Reisefreiheit. Am 09. November 1989 gab es eine Pressekonferenz, bei der SED-Politbüromitglied Günter Schabowski über Themen der Zentralkomitee-Tagung sprechen sollte. Diese Pressekonferenz wurde live übertragen – das Thema Reisefreiheit wurde zuerst nicht angesprochen. Erst als gegen Ende der Pressekonferenz ein Journalist die Frage zum Reisegesetz stellte, holte Schabowski einen Zettel hervor, der ihm vorher zugesteckt wurde. Darauf stand, dass alle DDR-Bürger ausreisen dürfen. Auf die Nachfrage eines Journalisten, ab wann dies gültig sei, antwortete Schabowski etwas zögerlich, dass dies nach seiner Kenntnis sofort in Kraft trete.

Eigentlich wäre gedacht gewesen, die Reisefreiheit Schritt für Schritt zu genehmigen und ab Dezember eine Möglichkeit zu schaffen, Visa für DDR Bürger zu beantragen. Dies sollte den Druck aus der angespannten gesellschaftlichen Situation nehmen.

So schnell verbreitete sich die Nachricht über die Reisefreiheit

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte bereits um 19:02 Uhr die Nachricht verbreitet: „Ausreise über alle DDR-Grenzübergänge ab sofort möglich“. Die Nachrichtenagenturen verbreiteten diese Information rasant weiter und so überschlugen sich die Ereignisse. Immer mehr Medien berichteten davon, die Nachricht wurde in allen Abendsendungen gesendet und Außenreporter wurden an den noch geschlossenen Mauerübergängen stationiert.

Vor allem westdeutsche Fernsehsender, die übrigens von 80 Prozent der DDR-Bürger empfangen werden konnten, sprachen von einer offenen Mauer. In den Tagesthemen um 22:40 Uhr eröffnete Hanns Joachim Friedrichs die Sendung mit folgenden Worten: „Im Umgang mit Superlativen ist Vorsicht geboten; sie nutzen sich leicht ab. Aber heute Abend darf man einen riskieren: dieser neunte November ist ein historischer Tag. Die DDR hat mitgeteilt, dass ihre Grenzen ab sofort für jedermann geöffnet sind. Die Tore in der Mauer stehen weit offen.“

Mit seinem letzten Satz „Die Tore der Mauer stehen weit offen“ hat der Moderator Hanns Joachim Friedrichs die Ereignisse beschleunigt. Die Menschen gingen davon aus, dass die Grenzen offenstanden und eine Ausreise sofort möglich war, also stürmten sie zu den Grenztoren. Bald versammelten sich Menschenmassen an allen Übergängen, sodass die Tore letztendlich nach und nach von den Grenzbeamten geöffnet wurden und die Mauer in dieser Nacht zur Geschichte wurde.

Die Interpretation der Pressekonferenz durch Journalisten und die konstante Berichterstattung der Medien haben schlussendlich die Öffnung der Mauern erst möglich gemacht. Das ist für uns von CLIP Mediaservice ein wertvolles Beispiel wie Medien Einfluss auf die Geschichtsschreibung haben können.

Andrea Scharf

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