2019 – Ein guter Jahrgang für die österreichische Medienbranche?

österreichische Medienbranche

In den ersten Wochen des noch recht jungen Jahres hat es einige Neuigkeiten aus der Medienbranche gegeben, die aufhorchen ließen. Manche Nachrichten lassen sich momentan noch in der Kategorie „Gerücht“ verorten, andere sind bereits durch Verantwortliche bestätigt oder durch Richterspruch Realität geworden. Lassen Sie uns von CLIP Mediaservice, gewogene Leserin, gewogener Leser, als Medienbeobachter ganz neutral aufs Tapet bringen, was in diesem Jahr auf die österreichische Medienlandschaft zukommt – und was das mit dem Weinbau zu tun hat.

 

Die wichtigsten Player – keine Garagenweine

Es geht bei den anstehenden Änderungen nicht um Redakteurswechsel oder Neuerscheinungen von Special-Interest-Magazinen, die eine Blattlinie ausbauen sollen. Es geht um keine Newcomer, keine Nischen- oder Insiderprodukte, was durchaus kein Qualitätskriterium sein muss: Es geht um nichts weniger als die Neuordnung der Eigentumsverhältnisse bei einigen wichtigen Leitmedien dieses Landes, bei Weinen spräche man in diesem Fall von „großen Gewächsen“: Profil, Kurier, Kronen Zeitung, Standard. (Es gibt natürlich noch genug andere nicht aufgezählte Leitmedien in Österreich, aber zu diesen gibt es im Moment keine so eklatanten News.) Von der Weinindustrie haben wir in den letzten Jahren klimatischer Änderungen oftmals hören dürfen: Die Wetterbedingungen waren – gelinde gesagt – außergewöhnlich, die Erträge der Ernten sind um 20-30 Prozent unter denen des Vorjahres, dafür wird der aktuelle Jahrgang aber einer der besten der letzten Jahrzehnte. Stark veränderte, teilweise durchaus verschlechterte, Rahmenbedingungen führen zu verbesserten Ergebnissen? Unter diesem Aspekt sind die Ausgangsbedingungen ja durchaus vergleichbar.

 

Die Proponenten im Detail

Viele (bestätigte und unbestätigte) Gerüchte ranken sich um die Verlagsgruppe News, auch VGN. Über den Verdacht des Gerüchts mittlerweile (wenn auch noch nicht in Rechtskraft) erhaben ist da die Meldung, dass die Kurier-Gruppe Ihre Anteile an der VGN-Holding gemäß Urteil des Oberlandesgericht Wien verloren hat. Alleinige Eigentümer der VGN-Holding aufgrund dieses Urteils sind nunmehr Horst Pirker und die Familie Fellner. (Mediengruppe Österreich mit Oe24 und Österreich). Ein paar Produkte der VGN-Holding, mit denen wir uns an dieser Stelle gleich weiter beschäftigen wollen: Profil, Trend und TV-Media.

Um die Abstufung vom Fakt zum unbestätigten Gerücht gleich beizubehalten jene Änderung, zu der es zwar noch kein Gerichturteil und keinen Kaufvertrag, sehr wohl aber einige Bestätigungen von offizieller Seite gibt: die Kurier-Gruppe zeigt mehr als nur ernsthaftes Interesse am Erwerb eines der Filetstücke, des Profil. Insidern zufolge geht es in dieser Angelegenheit mittlerweile eher nur noch um das „Wie“ als um das „Ob“. (=Kaufpreis). Dies macht also möglicherweise den Verlust in oben angesprochener Rechtssache für den Kurier etwas verkraftbarer. Allerdings halten sich diesbezüglich noch weitere Gerüchte hartnäckig, die ein mögliches Zusammenrücken von Addendum und Profil im Raum stehen sehen. Manch Beobachter der Szene weist diese Gerüchte allein schon aufgrund der Akteure nicht ganz ins Reich der Phantasie, hat doch seinerzeit Horst Pirkner (s.o.), bevor er noch Chef des Red Bull Media House wurde, als Chef der Styria Group Gerhard Fleischhacker, nunmehr Addendum, zum Chefredakteur der Presse gemacht. Man sieht also: Der Kreis der Akteure ist ein überschaubarer.

Ein wenig weniger spektakulär mutet da schon die auf derselben (mehr oder weniger) bestätigten Gerüchtsebene angesiedelte Nachricht an, dass auch TV-Media im aktuellen DKT der Medienlandschaft zum Kauf / Verkauf ansteht. Diesbezüglich soll Wolfgang Fellner Interesse bekundet haben, was umso logischer erscheint, hat er doch dieses Format höchstselbst 1995 aus der Taufe gehoben.

Weniger Substanz hatte da das Gerücht eines weiteren Verkaufs aus der Verlagsgruppe News: Wolfgang Rosam hätte Ambitionen am Trend und wolle dieses mit einer Investorengruppe als starkes Wirtschaftsmagazin etablieren. Diesbezüglich hat der bereits genannte Horst Pirker bereits ein Demento folgen lassen.

Mit dem letzten heute in dieser Rubrik bedachten Medium schließt sich auch wieder der kleine feine Kreis österreichischer Medienmacher, die die österreichische Medienlandschaft der letzten Jahrzehnte nachhaltig geprägt hat: Der vom trend– und Profil-Gründer Oscar Bronner erfundene Der Standard denkt laut dem aktuellen Vorstand Alexander Mitteräcker unter den geänderten Rahmenbedingungen und dem erhöhten Kostendruck   nicht nur eine Modernisierung der Onlineausgabe standard.at an. Man wolle in nächster Zeit auch verschiedene Bezahlmodelle ausloten, ohne deswegen gleich eine harte Bezahlschranke einzuführen.

Und damit schließen wir für heute auch wieder mit dem Vergleich zum Wein: Der gehobene, in Barrique ausgebaute, Qualitätswein lagert ja auch einmal einige Zeit im Fass, bevor er zur Abfüllung gelangt. Und dann lässt sich erst die tatsächliche Qualität des Jahrganges abschätzen. So werden auch die Konsequenzen dieses derzeit laufenden Medienkarusells erst in einiger Zeit am Ergebnis bewertbar sein. Und dann, liebe Leseriin, lieber Leser, werden wir wie immer unaufgeregt und objektiv berichten.

Red Bull Media House%2CStyria Group%2CVerlagsgruppe News%2C
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