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Pressefotografie in der Krise

Pressefotografie in der Krise

Der vielfach ausgezeichnete Pressefotograf Matthias Cremer hielt in diesem Jahr die Herzl-Dozentur am Institut für Kommunikationswissenschaften der Universität Wien inne. In den drei Vorlesungen, die im November und Dezember 2023 stattfanden, plädierte er für die Bedeutung der Pressefotografie – auch, oder vor allem, in Zeiten von Sparprogrammen und Mediensterben.

 

Matthias Cremer

Der Wiener Fotograf Matthias Cremer war von 1988 bis zu seiner Pensionierung vor zwei Jahren vor allem für den Standard tätig. Mit seinem kreativen Zugang und bis dahin ungewöhnlichen Blickwinkeln schuf er eine neue Bildsprache für den Standard und beeinflusste zugleich die Pressefotografie der gesamten Medienlandschaft. Nicht nur die Technik des Fotografierens, sondern vor allem auch die finanziellen Umstände von Medien haben sich in den Jahren seines Schaffens stark verändert. Bei der Herzl-Dozentur zeichnete Cremer ein düsteres Bild für die aktuelle Lage der Pressefotografie.

 

Gratisfotos und politische Selbstinszenierung

Wird bei Medien der Sparstift angesetzt, müssen günstige Alternativen zur Pressefotografie her: Immer häufiger greifen Medien daher auf Symbolbilder (Stockfotos) zurück. Die APA beliefert die Medien nach allen wichtigen Terminen mit einer Fotoauswahl von fünf bis neun Bildern und macht damit den Einsatz von eigenen Pressefotograf*innen oft zum ersten Opfer der Sparpakete. Eine große Problematik liegt für Cremer darin, dass die APA sowohl eigene Fotos als auch Fotos der politischen Stellen verwendet und die bewusste politische Inszenierung damit immer öfter Einzug in den Medien hält. Gratisbilder, geliefert von Marketingabteilungen, politischen Parteien und dem Bundeskanzleramt, vermitteln ein geschöntes Bild von Politiker*innen, die sich möglichst dynamisch, zielstrebig und professionell präsentieren wollen. Die Pressefotografie, im Einsatz des kritischen Journalismus, darf diesen Inszenierungen nicht auf den Leim gehen.

 

Warum Pressefotografie wichtig ist

Als wirksames Beispiel nennt Cremer den Besuch des ehemaligen Bundeskanzlers Sebastian Kurz im Kleinwalsertal zur Zeit der Coronapandemie. Nur durch ein Video der Vorarlberger Nachrichten wurde öffentlich, dass die Abstandsregeln nicht eingehalten wurden. Die perfekt inszenierten Fotos aus dem Bundeskanzleramt ließen davon nichts erahnen. Zahlreiche Studien belegen, wie wichtig die Bildsprache für unsere Wahrnehmung der Medien und die politische Meinungsbildung ist. Ein gutes Pressefoto schafft es dabei nicht nur, die politische Inszenierung der Parteien aufzubrechen, sondern kann auch zum Alleinstellungsmerkmal eines Mediums werden. Kritische, authentische, mitunter lustige Momente der Pressefotografie bestätigen im Fall von Matthias Cremer das alte Sprichwort: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

Eine spannende Rückschau auf Cremers Arbeit finden Sie auf seinem Fotoblog.

 

Falls Sie außerdem mehr über spannende Einblicke in das Thema „Presse“ bekommen wollen, empfehlen wir die Beiträge „Fehlende Transparenz bei der Finanzierung von Pressereisen“ oder „Österreichische Presselandschaft bereit für Erneuerungen: Austausch und KI„.

Irmi Koller

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