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Journalismus in der Krise

Journalismus in der Krise?

In einer Zeit der Krise, wie wir sie im Moment erleben, ist qualitativer Journalismus wichtiger denn je. Aufgrund von Angst und Unsicherheit, die in der Gesellschaft schwelen, sucht diese händeringend nach Orientierung, Information und Wahrheit. Der Stellenwert von Kommunikation und Berichterstattung in einer Krisenzeit ist sogar so hoch, dass man zum Beispiel die „Spanische Grippe“ (1918-1920) nur deshalb so genannt hat, weil Spanien als einziges Land nahezu frei und unzensuriert über diese Pandemie berichtet hat.

Journalistische Aufgaben sind elementar, weshalb es erhebliche Auswirkungen haben kann, wenn professioneller Journalismus in der Krise ist und diesen Aufgaben nur mehr eingeschränkt nachgehen kann.

 

Recherchieren, Informieren und Kritisieren

Die Hauptaufgaben des professionellen Journalismus kann man salopp als Recherchieren, Informieren und Kritisieren zusammenfassen. Qualitätsmedien müssen verlässliche, durch Recherche gesicherte Informationen liefern, aber auch Missstände aufdecken und diese in den öffentlichen Diskurs einbringen. Doch es sieht so aus, als ob es dem Journalismus in der Krise zunehmend schwerer fällt diesen Pflichten nachzukommen. Kritische Stimmen aus Politik und Wissenschaft werden lauter. Es würde „Systemjournalismus“ betrieben oder es fehle an generellem statistischem Wissen sind nur zwei Behauptungen, die den Journalistinnen und Journalisten vorgeworfen werden.

 

Gründe, warum der Journalismus in der Krise ist

Die Gründe jedoch, warum Journalistinnen und Journalisten im Moment ins Straucheln kommen und teilweise nur mehr halbherzigen Journalismus betreiben können, sind vielfältig. Der erste und auch augenfälligste Grund ist wohl, dass auch Medienunternehmen, Journalistinnen und Journalisten von der Wucht der Corona-Virus-Krise überrumpelt wurden. Alle, die im Moment im Arbeitsleben stehen, erleben eine Pandemie, die sich auf jeden Teil unseres Lebens auswirkt, zum allerersten Mal. Auch Journalistinnen und Journalisten befinden sich im absoluten Ausnahmezustand und versuchen dem Nachrichtensturm über das Corona-Virus standzuhalten.

 

Finanzielle Folgen des Corona-Virus

Auch Medienunternehmen spüren die finanziellen Folgen der Corona-Pandemie. Obwohl die Auflagenzahlen gestiegen sind, sind die Werbeeinnahmen drastisch zurück gegangen. Das Problem: Werbung ist eine wesentliche Finanzierungsquelle für Medien und professionellen Journalismus. Doch wenn Wirtschaft, Tourismus und Kultur zum Erliegen gekommen sind, wirbt auch niemand mehr dafür. Medienunternehmen mussten/müssen bis zu 80 Prozent Einbußen am Anzeigenmarkt bewältigen. Man versuchte durch Kündigungen bzw. Kurzarbeit gegenzusteuern. Weniger Journalistinnen und Journalisten müssen nun in weniger Zeit ihren Aufgaben nachkommen. Diese Aufgaben reduzieren sich notgedrungen auf ein Minimum. Der Netzphilosoph Peter Glaser schrieb schon vor einiger Zeit: „Information ist schnell, Wahrheit braucht Zeit“. Die Bereiche Recherche und Kritik geraten nun ins Hintertreffen und man konzentriert sich darauf, die Leserschaft im bestmöglichen Ausmaß zu informieren.

 

Relation Journalismustreibende zu PressearbeiterInnen

Bereits in den letzten 12 Jahren vor Ausbruch der Corona Pandemie ist die Zahl der Journalistinnen und Journalisten um ein Viertel gesunken, so der „Journalismusreport“ des Medienhaus Wien. Die Zahl der PR-Treibenden und MedienberaterInnen nimmt jedoch stark zu. Vor allem in den Regierungsstäben rüstet man sich mit PressearbeiterInnen, die auf stark geschwächte Redaktionen Einfluss nehmen wollen. Dieses Ungleichgewicht zwischen weniger Recherche der JournalistInnen und mehr interessengeleiteten Kommunikation wirkt einem ausgewogenen Bild der unterschiedlichen Meinungen entgegen.

 

Fazit

Professioneller und qualitativer Journalismus braucht Zeit und Geld. Wird beides nicht mehr gewährt, können Journalistinnen und Journalisten ihren Aufgaben nicht mehr nachkommen. Nutzen wir diese Krise zum Umdenken, sodass sich der Journalismus in eine Richtung entwickelt, in der er auch in Krisenzeiten nicht ins Straucheln kommt.

Sandra Kaiser

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