Ars Electronica – Die Menschlichkeit steht zur Debatte
Von 09. bis 13. September 2026 findet in Linz mit der Ars Electronica zum mittlerweile 47. Mal eines der spannendsten Medienfestivals Europas statt. Unter dem diesjährigen Motto “Negotiating Humanity – Future Begins” wird erneut eine vielfältige Kuration an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft geboten. Grund genug, unseren Blog aus der wohlverdienten Sommerpause aufzuwecken und einen Blick auf das eklektische Programm zu werfen.
Wo?
Dabei weicht dieses Jahr die POSTCITY als zentrale Homebase einer Verteilung des Festivals über ganz Linz hinweg. Die Innenstadt wird damit fünf Tage lang zur Bühne für Ausstellungen, Konzerte, Performances sowie Konferenzen und Workshops. Bespielt werden drei zentrale Hubs sowie eine Reihe weiterer Veranstaltungslocations. Oder wie Veronika Liebl (Managing Director) anmerkt: “Man muss sich heuer nicht zwischen Kunst-Deep-Dive und Stadterlebnis entscheiden.”
Was?
Als diesjähriger Aufhänger soll dabei nichts geringeres als die Menschlichkeit selbst fungieren.
“Negotiating Humanity” – ein Spannungsfeld, das angesichts von KI, Algorithmen, dem Dead Internet und der akuten Klimakrise kaum zeitgemäßer sein könnte. Dabei will man sich dem Thema auf unterschiedlichste Weise nähern: Was macht uns Zeiten künstlicher Intelligenz eigentlich überhaupt noch aus? Welche Rolle hat unsere Sprache dabei noch und wie lernen wir überhaupt wieder echte Dialog- bzw. Konfliktfähigkeit?
Wie?
Dass ein Thema wie „Negotiating Humanity“ von ziemlich deep bis erstaunlich leicht verdaulich reichen kann, zeigen die unterschiedlichen Arbeiten und Interpretationen des diesjährigen Programms. So sorgt etwa „A Cartography of Genocide“ des Londoner Teams Forensic Architecture, das mit der Goldenen Nica in der Kategorie Interactive Art ausgezeichnet wurde, für intensive Diskussionen. Die Arbeit setzt sich mit der Rekonstruktion und Visualisierung des Gaza-Kriegs auseinander – und knüpft damit wohl bewusst an jene gesellschaftlichen Fragen an, für die das Festivals seit jeher eine Plattform für Diskurs und Auseinandersetzung bietet.
Weniger schwer, dafür umso unterhaltsamer geht es bei Joseph Herschers „Kettenreaktionsmaschine“ zu. Der Künstler, dessen YouTube-Kanal „Joseph’s Machines“ längst Kultstatus erreicht hat, bringt seine skurrilen Konstruktionen auf den JKU Med Campus. Dort übernimmt seine Morgenroutine-Maschine kurzerhand den gesamten Start in den Tag: Sie hebt eine Person aus dem Bett, transportiert sie über ein Förderband, zieht sie an und füttert sie.
Und auch musikalisch wird einiges geboten: Mit der ARS Electronica Nightline wird das Festivalprogramm einmal mehr bis in die Nacht verlängert.

